Hoffnungszeichen entlang des Weges Synodal

Gesehen – gelesen – gehört – gedacht – getan – Hoffnungszeichen entlang des Weges

Synodal – Menschen auf Augenhöhe

Das Wort Synode (altgriechischen sýnodos) heißt wörtlich übersetzt „gemeinsamer Weg“, ein wunderbares Bild für das, was Papst Franziskus uns als Kirche wünscht.

Nach dem Ad-limina-Besuch der Schweizer Bischöfe berichtete Basels Bischof Felix Gmür: Franziskus selbst habe “keine Türen zugemacht”, so der Konferenzvorsitzende. Er habe aber auch gesagt: “Wir brauchen Zeit. Und wir müssen hören. Wir haben jetzt nicht die Antwort. Er auch nicht.“  ….
Gmür räumte ein, es sei nicht immer einfach, die Position des Papstes in Bistümern und Gemeinden verständlich zu machen. Anders als viele andere Katholiken denke Franziskus weniger strukturell, hege gar eine gewissen Aversion, wenn er den Eindruck habe, jemand schiele auf ein Amt…..
Für Franziskus ist ein dialogischer Austausch vonnöten, “der darauf bedacht ist, die Einheit zu wahren”. Sein Ansatz: Wie können Christen, im Zusammenspiel zwischen Klerikern, Laien, Frauen und Männern, den Glauben überzeugender weitergeben?” …
“Anders als bei früheren Ad-limina-Besuchen gab es dort keine Papiere und Ansagen mehr, wie was zu machen sei”, so Gmür. Stattdessen schienen “alle vom synodalen Fieber gepackt”. Ob an der Kurie oder in den Diözesen – “uns verbinden gemeinsame Erfahrungen ganz neuer Herausforderungen für die Kirche”, so der Basler Bischof.

Quelle: https://www.domradio.de/themen/weltkirche/2021-11-30/vom-synodalen-fieber-gepackt-schweizer-bischoefe-beenden-papstbesuch-und-vollversammlung-rom

Wann werden diese Visionen die breite Basis erreichen? Noch ist davon kaum etwas wahrnehmbar. Seit Monaten denke ich darüber nach und frage mich in kritischen oder auch erfreulichen Situationen, wie ich dabei „synodal“ sein könnte.

Zum Beispiel im Gespräch mit einem Freund, der bezüglich Pandemie eine ganz andere Umgangsweise hat als ich. Noch ist unser Gespräch nicht zu Ende, doch es ist mir gelungen, ohne Aggression und Gegenargumenten zunächst nur hin zu hören. So habe ich wenigstens im Ansatz sein Bemühen im Umgang mit der Pandemie kennen gelernt und zugleich an mir selbst erfahren, wie schnell ich über oder unter der „Augenhöhe“ bin.

Vor einigen Wochen habe ich via Katholisches Bildungswerk Kautzen zu einem Treffen in einem ehemaligen Dorf drüber der Grenze eingeladen. Der Grund dieser Zusammenkunft war die Begegnung mit einem Mann aus dem tschechischen Nachbarort, der in den 60-er-Jahren hier seinen Militärdienst als Wachsoldat ableisten mußte – nur einige hundert Meter neben dem österreichischen Grenzdorf Kleintaxen, getrennt durch den „Eisernen Vorhang“, der damals sogar noch unter Strom (8000 Volt) stand. Offensichtlich war dieser Austausch an der Grenze und über die „Grenzen“ hinweg „auf Augenhöhe“ gelungen. Der spontane Wunsch der TeilnehmerInnen nach weiteren Veranstaltungen dieser Art hat dies bestätigt. Neben allem Sachlichen wurden auch die persönlichen Erlebnisse von diesseits und jenseits der Grenze ausgetauscht. Der tschechische Soldat von damals stand nun auf dem gleichen Boden wie wir aus Österreich. Das wurde spürbar. Menschen auf Augenhöhe brauchen sich nicht vergleichen, müssen nicht nach religiöser oder politischer Einstellung des anderen fragen, sie sind einfach Menschen – und das tut gut. Sehr gut getan hat auch die anschließende Einladung in das grenznahe Schloß, wo die Familie Mužak schon seit vielen Jahren eine Oase der Begegnung geschaffen hat.


Hineni – Hier bin ich

Am 21.2.2021 war der katholische Theologe und Religionspädagoge Martin Jäggle im Radio zu hören. Er sprach über „Abraham“ (Genesis 22,1-2.9a.10-13.15-18)

Hier ist ein kleiner Auszug daraus:

Die ersten Worte der Erzählung machen deutlich: „Gott stellte Abraham auf die Probe.“ Abraham soll sich bewähren in einer dunklen, ausweglosen Situation. In der Erzählung ist Abraham nicht sehr gesprächig, aber was er sagt, sagt er dreimal: „Hineni!“ „Hier bin ich!“ Das erste Mal als er von Gott angesprochen wird: „Hineni!“ „Hier bin ich!“ Das zweite Mal als er von seinem Sohn angesprochen wird: „Hineni!“ „Hier bin ich!“ Das dritte Mal als er vom Engel angesprochen wird: „Hineni!“ „Hier bin ich!“

Dieses hebräische Wort „hineni“ ist das erste Wort, das ein jüdischer Vater zu seinem neugeborenen Kind sagt. Es bedeutet: Hier bin ich mit Leib und Seele, mit größter Aufmerksamkeit und Verantwortung. Abraham erklärt sich Gott und seinem Sohn gegenüber verantwortlich. Er war der erste, der so gegenüber Gott sprach und nach ihm wird es von Isaak, Jakob und anderen in der Bibel erzählt, was Gott selbst zu den Menschen sagt: „Hineni!“ „Hier bin ich!“ Seitdem sprechen es Jüdinnen und Juden – und Leonard Cohen singt, ja haucht es: „Hineni!“

Quelle: https://religion.orf.at/radio/stories/3204983

Engelbert Pöcksteiner