Ferdinand Klostermann – Laienapostolat und Katholische Aktion

In seinem Buch “Der lange Weg der Kirche vom Ersten zum Zweiten Vatikanischen Konzil – Beiträge zu Bewegungen und Ereignissen in der katholischen Kirche”, Verlag Wagner, Linz 2005, beschreibt Univ. Prof. Dr. Rudolf Zinnhobler im Kapitel Österreich und das Zweite Vatikanum die Vorgänge um das Laienapostolat und die Katholische Aktion.

1962, am Vorabend der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, war das monumentale Werk “Das christiliche Apostolat” von Ferdinand Klostermann erschienen, das ihm auch die Berufung nach Wien als Professor der Pastoraltheologie einbrachte. Der Verfasser hatte 11 Jahre an dem Buch gearbeitet und darin auch seine eigene “apostolische Tätigkeit” reflektiert, hatte er doch als Assistent der Katholischen Aktion der Diözese Linz wesentlich am Aufbau dieser mächtigen Organisation des Laienapostolates mitgewirkt. Seit 1958 war er Geistlicher Assistent der KA Österreichs. Auch wenn das Wort “Laie” im Titel von Klostermanns Buch nicht vorkommt, so war es doch sein Grundanliegen aufzuzeigen, daß die Begriffe “Apostel” und “Apostolat” auch auf den Laien und seine Tätigkeit in der Kirche anzuwenden sind.
Kardinal König, der Klostermann sehr schätzte und gut informiert war über dessen Beschäftigung mit der Theorie und Theologie des christlichen Apostolates, schlug ihn daher als Konzilstheologen vor. 1960 wurde er für eine Mitarbeit in der “Commissione dell`Apostolato dei Laici” ernannt. 1962 dann zum “Peritus” ernannt und in die Kommission “De Episcopis et Dioecesium regimini” aufgenommen.
Klostermann war einer der führenden Konzilastheologen bei der Erstellung des Dekretes über das Laienapostolat. So stellt auch Prof. Zinnhobler einen Klostermann Text aus dem Jahr 1950 und das Konzilsdekret 1965 gegenüber.

Klostermann Text 1950
a) Das apostolische, missionarische, erobernde, universale Element. Kath. Aktion ist ja Teilnahme am
hierarchischen Apostolat, also auch selbst Apostolat, d.h. Sendung, d.h. Tätigkeit zur Förderung des Reiches Gottes, d.h. tun und erstreben, was die Hierarchie tut und erstrebt, nämlich daß Christus in den einzelnen Menschen, in den Familien und in der ganzen Gesellschaft wieder zur Herrschaft gelange.
b) Das hierarchisch-offizielle Element. Es handelt sich um eine Teilnahme am hierarchischen Apostolat.
Daraus ergibt sich einerseits der Hilfscharakter, der Mitarbeitercharakter, der untergeordnete Charakter der Kath. Aktion (nihil sine episcopo); andererseits aber auch der offizielle Charakter der Kath. Aktion,
das Emporgehobenwerden aus der privaten Sphäre zur Aktion der Kirche. Was die Kath. Aktion in ihrem
innersten Wesen von der Hierarchie abhängig macht, verleiht ihr umgekehrt ihre außergewöhnliche Wür- de, die sie über alle anderen Apostolate hinaushebt.
c) Das laikale Element Kath. Aktion ist Apostolat der Laien. Die Laien sind also, wenn auch in Unterordnung unter der Hierarchie, die eigentlichen Träger nicht nur der Arbeit, sondern auch der Initiative und einer wirklichen Verantwortung.
d) Das organisatorische, soziale korporative oder kollektive Element. Fruchtbare und wirksame Teilnahme am hierarchischen Apostolat ist nur möglich durch das Zusammenwirken vieler, in straffer Zusammenfassung der verschiedenartigsten Kräfte und in deren weiser Lenkung und Über- und Unterordnung, d. h. also in Gemeinschaft und in Organisation.

b) Die Laien arbeiten in der ihnen eigentümlichen Weise mit der Hierarchie zusammen, tragen ihre eigene
Erfahrung bei und übernehmen Verantwortung in der Leitung dieser Organisationen, in der Beurteilung
der Verhältnisse, unter denen die pastorale Tätigkeit der Kirche auszuüben ist, und in der Planung und
Durchführung des Aktionsprogramms.
c) Die Laien handeln vereint nach Art einer organischen Körperschaft, so daß die Gemeinschaft der Kirche
deutlicher zum Ausdruck gebracht und so das Apostolat wirksamer wird.

Laiendekret Text 1965
a) Das unmittelbare Ziel dieser Organisationen ist das apostolische Ziel der Kirche, nämlich in Hinordnung
auf die Evangelisierung und Heiligung der Menschen sowie auf die christliche Bildung ihres Gewissens,
so daß sie die verschiedenen Gemeinschaften und Milieus mit dem Geist des Evangeliums durchdringen können.
d) Die Laien, die sich freiwillig anbieten oder zum Wirken und zur direkten Mitarbeit mit dem hierarchischen Apostolat eingeladen werden, handeln unter der Oberleitung der Hierarchie selbst. Diese kann die Mitarbeit auch durch ein ausdrückliches Mandat bestätigen.
b) Die Laien arbeiten in der ihnen eigentümlichen Weise mit der Hierarchie zusammen, tragen ihre eigene
Erfahrung bei und übernehmen Verantwortung in der Leitung dieser Organisationen, in der Beurteilung
der Verhältnisse, unter denen die pastorale Tätigkeit der Kirche auszuüben ist, und in der Planung und
Durchführung des Aktionsprogramms.
c) Die Laien handeln vereint nach Art einer organischen Körperschaft, so daß die Gemeinschaft der Kirche
deutlicher zum Ausdruck gebracht und so das Apostolat wirksamer wird.

Auch wenn man keinen detaillierten Vergleich der beiden Texte durchführt, sind die Parallelen unverkennbar. Sowohl die Vierzahl der angeführten Merkmale der KA als auch die sachlichen Entsprechungen der einzelnen Punkte belegen unsere Feststellung. Einen klaren Fortschritt stellt es dar, daß die KA nunmehr (gegenüber früheren päpstlichen Stellungnahmen) nicht mehr nur als eine von oben
nach unten strukturierte Organisation gesehen wird, sondern daß auch die Initiativen der Laien (Klostermann-Text Punkt c, Konzilstext Punkt d) Berücksichtigung finden. Damit wird „das Apostolat der Weltchristen in der Katholischen Aktion” nicht mehr nur vom „hierarchischen Apostolat her bestimmt.